Etappen

14. 22.05.2010
Böhmenkirch - Lonsee
15. 23.05.2010
Lonsee - Ulm
16. 24.05.2010
Ulm - Risstissen
17. 25.05.2010
Risstissen - Biberach
18. 26.05.2010
Biberach - Bad Waldsee
20. 28.05.2010
Ravensburg - Markdorf

 

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19. Bad Waldsee - Ravensburg

2400 km bis Santiago Donnerstag, 27. Mai 2010

25 km / 7 h
Bad Waldsee – Gwigg – Engenreute – Weingarten – Ravensburg
Um ein Viertel nach sieben ist schon gewaltig etwas los am ausgezeichneten Morgenbüffet. Ich geniesse es wieder und bestelle noch eine zweite Kanne Kaffee, denn ich habe nur eine kurze Etappe vor mir. Kurz vor neun Uhr starte ich, nachdem ich die Hotelrechnung bar bezahlt habe, weil das Kreditkartengerät nicht funktionierte. Schon nach kurzer Zeit überquere ich die stark befahrene B30 und bin sogleich wieder im ruhigen Wald. In der Nacht regnete es stark und es sind immer noch viele Restwolken vorhanden. Die Luft ist aber rein und frisch, und die Vögel pfeifen fröhlich ihr Morgenkonzert. Nach fünf super Kilometern folgen fünf Kilometer Asphalt. Ich raste kurz in der Kapelle von Gwigg und gehe weiter nach Engenreute. Nun folgt eines der schönsten Wegstück überhaupt, etwa zehn Kilometer traumhafter Weg über Felder und einen feuchten, sumpfigen Wald. Weil die Sonne wieder scheint, ist es warm und feucht. Ich fühle mich wie in der Masoala Halle im Zürcher Zoo! So macht der Jakobsweg wirklich Spass. Man vergisst eigentlich alles und erfreut sich an dieser puren Natur. Kurz vor Weingarten werde ich aber wieder abrupt von der Zivilisation eingeholt. Weingarten ist eine schöne, kleine Stadt. Dominant ist die Barockbasilika Schwäbischer St. Peter mit ihrer grossen Kuppel. Es ist die grösste Barockkirche nördlich der Alpen, ungefähr halb so lang wie der Petersdom in Rom. Im Buchladen nebenan erhalte ich einen Stempel. Nun esse ich draussen vor einer Imbissbude mit Metzgerei einen Teller Spaghetti Bolognese und trinke eine Apfelschorle. Gestärkt wandere ich noch ein Stück weiter., den bewaldeten Bergrücken hoch. Die Beschreibung im Führer ist da sehr rudimentär und stimmt nicht mit der Signalisation überein. Ich folge den Muscheln, die für mich wie ein Käfer aussehen, und bin schon sehr weit gegangen und eventuell habe ich da auch eine Muschel verpasst. Nach meinem Spürsinn sollte ich viel weiter rechts sein. Da sehe ich plötzlich ein paar Häuser. Durch das Dickicht und über die Wiese gehe ich auf diese Siedlung zu. Ravensburg? Nein, Fenker! Auf meiner etwas spärlichen Karte im Führer ist dieses Kaff gerade noch in der Ecke drauf. Ich habe mich wieder einmal verlaufen, etwa vier bis fünf Kilometer! Nun wandere ich am Rand einer gefährlichen Strasse vier Kilometer Ravensburg entgegen. Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel beginnt es noch zu regnen, und wie! Es giesst auf einmal wie aus Kübeln, und ich muss mich sehr beeilen mit Regenschutz und Rucksackregenschutz anziehen. Im Platzregen stapfe ich meinem Ziel entgegen. In die Innenstadt gelange ich durchs Obertor. Dort in der Ecke sehe ich sogleich das Hotel Obertor, welches auch im Führer erwähnt ist. Tropfnass frage ich nach einem Zimmer und erhalte auch gleich eines, wenn auch etwas teuer! Aber ich möchte nicht, nur um eventuell ein paar Euro zu sparen, wieder in dieses Unwetter raus. Denn kaum bin ich im Hotel, regnet es noch viel stärker als vorher, ein richtiger Wolkenbruch! Als ich nach dem Duschen und etwas Ausruhen zum Fenster raus gucke, regnet es auf einmal nicht mehr. Der Wind hat alle Wolken verblasen, und die Sonne scheint wieder. Also beschliesse ich, einen kleinen Stadtrundgang zu machen. Zum Glück bin ich heute noch bis Ravensburg gegangen und habe mich heute verlaufen und nicht morgen bei einer langen Etappe. Nun habe ich morgen nur knapp dreissig Kilometer bis Markdorf!
Beim Nachtessen im Hotel sind alle Tische belegt, es hat viele Geschäftsleute hier, ein gutes Zeichen. Tatsächlich, das Essen ist sehr fein. Ein kleiner Verdauungsspaziergang durch Ravensburg beendet meinen ereignisvollen Tag, und ich gehe müde und nicht all zu spät ins Bett.