Etappen

14. 22.05.2010
Böhmenkirch - Lonsee
15. 23.05.2010
Lonsee - Ulm
16. 24.05.2010
Ulm - Risstissen
17. 25.05.2010
Risstissen - Biberach
18. 26.05.2010
Biberach - Bad Waldsee
20. 28.05.2010
Ravensburg - Markdorf

 

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6. Zell am Main - Gaukönigshofen

Würzburg am Main mit Marienburg Freitag, 14. Mai 2010

35 km / 10 h
Zell am Main – Würzburg – Eibelstadt – Sommerhausen - Ochsenfurt –Gaukönigshofen
Um etwa acht Uhr nach dem nahrhaften Frühstück mit Rührei und Speck starte ich vorerst einmal locker die sechs Kilometer bis Würzburg. Weil heute alles flach sein wird, dem Main entlang, erwarte ich eigentlich keine grossen Probleme für mein rechtes Knie. Es schmerzt aber schon nach wenigen Schritten wieder. Nun habe ich eine Idee! Auf dem Jakobsweg von Stans nach Santiago hatte ich zwei Kniebandagen dabei, aber nie gebraucht. Vielleicht sollte ich so eine in Würzburg kaufen? Kaum in Würzburg, betrete ich eine Apotheke und frage nach einer Kniebandage. Die nette Verkäuferin weist mich zu einem Geschäft mit Spitalartikeln in der Nähe. Dort erhalte ich tatsächlich eine enge Kniebandage und ziehe sie gleich an.
Jetzt besuche ich den berühmten Dom. Dieser ist geräumig, ein hohes, relativ einfaches Hauptschiff, aber zwei reich verzierte Nebenschiffe quer sind markant. Beim Aufseher frage ich nach einem Pilgerstempel. Ohne zu zögern kommt der Aufseher mit einer noch auszubildenden Person und mir in die Sakristei und findet nach längerem Suchen in der Schublade den Stempel und das Kissen. Auf einem kurzen Stadtrundgang in Würzburg besuche ich die Marienkirche am Marktplatz, die alte Mainbrücke und der frühere Richtplatz, wo früher auch die Jakobspilger freiwillig und auch unfreiwillig nach Santiago starteten.
Jetzt wandere ich los Main aufwärts Richtung Ochsenfurt. In Heidingsfeld kaufe ich Brötchen, Emmentalerkäse und zwei Flaschen Mineralwasser. Ich wandere noch ein paar Kilometer weiter und picknicke auf einer Parkbank direkt am Main. Hier beobachte ich die flachen Schiffe, die fast lautlos an mir vorüber ziehen. Bei einer Schleuse wechsle ich das Ufer. Nun durchquere ich das schmucke Weindorf Eibelstadt. Am liebsten würde ich hier ein paar Tage bleiben und die zahlreichen Weingüter besuchen. Leider fehlt mir aber die Zeit. Ich steige hier etwas hoch auf einen Asphaltweg etwa 50 Meter parallel oberhalb des Flusses mitten durch die Rebberge. Hier kommen also die berühmten Franken Weine in den Bocksbeutelflaschen her. Die Aussicht von diesem Rebbergweg auf das Maintal ist wunderschön. Nach ein paar Kilometern erreiche ich das nächste Weindorf Sommerhausen. Der Jakobsweg führt nun wieder zum Mainufer hinunter. Jetzt marschiere ich zügig meinem vermeintlichen Ziel Ochsenfurt entgegen. Weil die alte Mainbrücke bei Ochsenfurt abgebrochen wurde, gibt es hier einen Fährbetrieb für Fussgänger und Radfahrer. Als Jakobspilger darf ich sogar gratis mitfahren und erhalte sogar noch einen Stempel in meinen Pilgerpass.
In Ochsenfurt gibt es sicher etwa zehn Hotels, aber über die Feiertage ist hier im schmucken Städtchen kein einziges Bett frei. Die freundliche Dame im Touristenbüro sucht für mich eine Unterkunft am Weg. In Gaukönigshofen ist sie fündig. Obwohl das für mich noch weitere acht Kilometer bedeutet, bin ich überglücklich. Nach ein paar Fotos verlasse ich Ochsenfurt bereits wieder flussabwärts, also etwa zwei Kilometer auf der gegenüberliegenden Seite wieder zurück. Dort führt der Jakobsweg hoch auf ein Trassee der ehemaligen Gaubahn. Dieses Trassee ist nun ein Fahrrad- und Wanderweg. Da wandere ich flach durch ein kleines, grünes Tal. Es duftet intensiv nach Bärlauch. Wenn ich nur nicht so müde wäre. Langsam quäle ich mich meinem Ziel eentgegen. Gaukönigshofen liegt auf einer Hügelkuppe. Der Ort hat bestimmt etwa zwei bis dreihundert Häuser, und ich finde das etwas versteckte Hotel Zehnter nicht auf Anhieb. Das Zimmer aber ist geräumig. Duschen, Kleider waschen und jetzt hungrig ab ins Restaurant. Zuerst trinke ich Mineralwasser und ein Bier. Nach der heissen Zwiebelsuppe erhalte ich ein Rumpsteak an einer Pfeffersauce, Röstigaletten und Salat. Dazu trinke ich ein Glas Domina aus Eibelstadt. Zum Ausklang geniesse ich noch ein Glas Silvaner, auch aus Eibelstadt.
Was ist mit meinem rechten Knie? Das ist eigentlich ganz okay, viel besser als in den letzten Tagen. Die Bandage scheint schon zu nützen. Das rechte Knie ist okay, dafür schmerzt der ganze übrige Körper. Aber ich kann ja nicht den ganzen Körper einbandagieren! Aber eine vernünftige Etappanplanung!