Etappen

21. 29.05.2010
Markdorf - Konstanz

 

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20. Ravensburg - Markdorf

schönes Jakobsweg Denkmal Freitag, 28. Mai 2010

29 km / 7 h
Ravensburg – Brochenzell – Unterteuringen – Leimbach – Markdorf
Heute ist mein letzter richtiger Tag auf dem Weg! Noch einmal eine fast dreissig Kilometer Etappe, bevor es dann morgen nur eine ganz kurze bis zum Bodensee gibt. Morgen Samstag nach dem Mittag ist alles vorbei, denn meine Frau Angelika holt mich um vierzehn Uhr im Lago in Konstanz ab.
Um ein Viertel nach sieben sind schon sehr viele Personen om Morgenbüffet. Alles gestresste Geschäftsleute! Ab nächster Woche gehöre ich leider auch wieder zu denen! Sie essen schnell ein Brötchen, trinken einen Saft oder Kaffee, einen kurzen Blick in die Zeitung, und dann verschwinden sie nach wenigen Minuten wieder. Ich habe zwar eine rechte Etappe vor, nehme mir aber viel Zeit und geniesse das Frühstück. Schliesslich bin ich ja auch in den Ferien, und eine gute Stärkung ist für mich sehr wichtig. Ganz gemütlich packe ich meine Sachen und bezahle die Übernachtung. Gegen halb neun Uhr wandere ich zum Bahnhof runter und kaufe dort zwei Flaschen Mineral und zwei Brötchen als Verpflegung. Nach einer halben Stunde stehe ich bereits wieder mitten in einem Wald und höre nur noch die Vögel pfeifen. Nun pilgere ich mehrere Kilometer durch diesen Wald. Ab und zu begegnet mir ein Jogger. Schade, dass kurz vor Brochenzell wieder eine lange Asphaltstrecke ist. Nach einer Rast in der Jakobuskirche in Brochenzell, wo ich einen Stempelkleber erhalte, wandere ich auf einem neu angelegten Jakobsweg durch das Neubauquartier. Dieser ist im Führer noch nicht so beschrieben, aber die Markierungen sind vorderhand recht gut. Der schöne Wanderweg windet sich durch viele Eigenheime bis in den Wald. Mitten im Wald hat es mehrere neue Wander- und Nordicwalking-Wege und plötzlich fehlen die Muschelzeichen. Mit meiner Erfahrungen und etwas Intuition kann ich den Schaden in Grenzen halten und finde den nächsten Weiler und somit auch wieder den Jakobsweg. Nun folgen leider wieder viele Kilometer auf heissen Asphaltsträsschen unter der gleissenden Mittagssonne. Auf einem der raren, schattigen Wiesenfleck picknicke ich und raste etwa eine halbe Stunde. Nun führt der Weg mich auf mehrheitlich Asphalt über zahlreiche Felder und Wiesen nach Oberteuringen, dann Unterteuringen, vorbei an einem Modellflugplatz nach Leimbach. Beim gepflegten Campingplatz erreiche und überquere ich die Hauptstrasse und steige eine letzte Anhöhe hoch, bevor ich dann von oben mein Etappenziel Markdorf erreiche. Die letzte richtige Etappe habe ich nun geschafft! An der Touristen Information studiere ich den Bildschirm, um ein günstiges Zimmer zu suchen. Hinter mir frägt mich eine Frau, ob ich auf dem Jakobsweg sei und ein Zimmer suche? Ja, entgegne ich ihr. Es ist zufällig Frau Klappenberger. Ihre Adresse habe ich am Anschlagkasten in Brochenzell notiert, und sie bietet günstige Zimmer an, speziell für Jakobspilger. Die Leute sind sehr nett, das Zimmer klein aber gut, mit eigener Dusche und WC. Die Klappenbergers wirteten früher und besassen das Hotel Schwanen. Jetzt sind sie im Ruhestand und betreuen noch ein Gästehaus.
Weil ich wie jeden Abend sehr hungrig bin, freue ich mich auf das Nachtessen. Auf Empfehlung von Herrn Klappenberger besuche ich das Schwanen Stüble. Es hat bereits viele Gäste hier, und das ist ja ein gutes Zeichen. Das Essen, wieder einmal einen Zwiebelrostbraten, ist auch sehr fein und die Portion ist riesig. Nach dem Essen spaziere ich gemütlich zum Gästehaus zurück und schaue im Aufenthaltsraum noch das Finale von Let’s Dance. Im Bett kann ich nicht direkt einschlafen. Ich bin mit den Gedanken immer noch zwischen Fulda und hier, etwas unstrukturiert und durcheinander. Ich brauche sicher ein paar Tage, um meine vielen Eindrücke der vergangenen drei Wochen zu verarbeiten! Einerseits freue ich mich auf zu Hause und auf meine Familie, andererseits ist die schöne Zeit in der Natur unterwegs bereits vorbei.