Etappen

 

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21. Rennertshofen - Donauwörth

mystische Stimmung Samstag, 19. September 2015

33km / 8 h
Rennertshofen – Schweinspoint – Buchdorf - Kaisheim - Donauwörth
Ich erwache kurz vor sieben Uhr. Ein Blick aus dem Fenster, Nebel. Man sieht fast nichts, aber es regnet nicht, und das ist ja wichtig. Als einziger Hotelgast erhalte ich für mich alleine ein kleines, aber sehr feines Frühstücksbuffet. Die Wirtin merkte, dass vor rund einer Woche schon ein Gast namens Schürch aus der Schweiz hier war. Ich erklärte ihr, dass das mein Bruder war. Ich erzählte ihr auch warum, und was wir beide unternehmen.
Nun kaufe ich noch Picknick und besuche die Kirche. Einen Stempel hat es hier nicht, aber die Kirche ist sehr schön geschmückt, weil hier heute eine Hochzeit stattfindet. Wahrscheinlich die Leute, die ich gestern beim Warten vor dem Hotel gesehen habe. Um halb neun Uhr starte ich nun bei Nebel auf meine für dieses Jahr letzte, aber dennoch recht lange Etappe. Der Weg führt über Wiesen und Felder durch den Nebel. Es ist sehr mystisch und faszinierend. Ich knipse viele Fotos, um diese Szenerie festzuhalten. Ich bin auch froh um mein Garmin, weil die Markierung auf diesen Feldern etwas spärlich ist. Auch meine Schuhe leiden im feuchten Gras, und die Nässe drückt schon durch. Dabei befinde ich mich noch auf den ersten fünf Kilometern von über dreissig. Einmal muss ich ein langes Bord mit einem riesigen Brennnessel Feld umgehen.
Noch bevor das lange Waldstück folgt, lichtet sich der Nebel, und es ist wolkenlos blau. Nach etwa vier Stunden in Buchdorf raste ich auf einer Bank beim Fussballplatz. Nach einem weiteren Stück erreiche ich die riesige Klosteranlage Kaisheim. Die hohen Mauern und die verschiedenen Trackts mit den vergitterten Fenstern sehen eher aus wie ein Gefängnis. Wurden die Mönche in der riesigen Abtei eingesperrt?
Später lese ich im Buch, das Kloster wurde tatsächlich zu einem Zuchthaus und einer Justizvollzugsanstalt umfunktioniert, und es ist immer noch in Betrieb.
Nun folgen die letzten acht Kilometermeiner langen Wanderung von Prag bis Donauwörth mit über 540 km, ungefähr ein Viertel des Jakobsweges, welcher ich im Jahre 2005 pilgerte. Ich geniesse die letzten Kilometer, auch wenn nun plötzlich wieder dunkle Wolken aufziehen. Ich erreiche Donauwörth und das gebuchte Posthotel Traube und auf die Sekunde beginnt es zu regnen.
Nach Duschen und einem kurzen Stadtrundgang im Regen sitze ich nun bei einem wohlverdienten Augustinerbräu Oktoberfest Bier.
Heute beende ich also diese Etappen und werde den restlichen Weg zwischen Donauwörth über Augsburg bis mindestens nach Ermengerst, eventuell sogar bis Bregenz, zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. In Ermengerst mündet dieser Ostbayerische Jakobsweg in den Jakobsweg von München, welcher ich 2011 bereits gewandert bin.