Etappen

23. 29.08.2005
Le Tracol - Tence

 

PDF File diese Seite
PDF File ganzes Dokument

74. Vega de Valcarce - Triacastela

Strohdachhaus in O Cebreiro Mittwoch, 19. Oktober 2005

34 km / 8 h
Vega de Valcarce - O Cebreiro - Alto San Roque – Fonfria – Triacastela
„Frida, hast Du meine Unterhosen gesehen?“ „Nein Karl, wo hast Du sie denn hingelegt?“ „Dann nehme ich halt ne Neue!“ Mit so einem Dialog erwache ich im grossen, voll besetzten Schlafsaal. Die deutschen Gäste hier haben alles dabei, vom Föhn bis zum Bademantel, Kleider in Hülle und Fülle, Hausschuhe, Rasierapparat. Alles wird in grosse Rollkoffer gestopft und diese für den Transport vor die Herberge gestellt. Sind das echte Pilger?
Beim Brasilianer gibt es ein gutes Frühstück. Liegt das an den vielen Deutschen hier? Erst um halb neun starten wir, Ewald und ich, auf die Etappe. Es dämmert bereits und der Weg führt vorerst noch weiter ins Tal. Aus dem wolkenverhangenen Himmel beginnt es zu regnen. Noch bevor der Pfad zu steigen beginnt, treffen wir wieder einmal das holländische Ehepaar mit dem Hund und den riesigen Rucksäcken, welchem ich schon in Frankreich begegnete. Übrigens, mit Ewald wandern geht super. Wir sind etwa gleich schnell und wollen auch etwa gleich weit. Nun steigt der matschige Weg steil hoch durch den Wald bis La Faba. Am Brunnen geniessen wir das frische Wasser. Weiter führt der Weg hoch Richtung O Cebreiro. Jetzt stehen wir beim Grenzstein zum lang ersehnten Galizien. Das Wetter ist trüb und nass, so wie man es hier eben erwartet. Schon bald erreichen wir nach 700 Höhenmetern O Cebreiro, der berühmte Ort am Jakobsweg auf über 1330 Metern. Im Restaurant bestellen wir eine Portion vom lokal hergestellten Käse und ein Glas Rotwein. Inzwischen betreten auch die Holländer das Lokal. Der Hund muss wie üblich draussen bleiben. Inzwischen ist auch der Gepäcktransport der deutschen Gesellschaft eingetroffen. Die werden wohl hier übernachten. Nun besichtigen wir noch die alte Steinkirche und das Strohdachhaus. Nachher wandern wir den Hügelzug entlang bis zur bekannten Pilgerstatue, die in vielen Büchern abgebildet ist, bei Alto San Roque. Es geht weiter durch das Dorf Hospital de Condesa, dann auf einem Pfad dem Hang entlang und dann zum dritten Mal steil hoch bis Alto do Poio. Kurz bevor wir die Höhe erreichen, ein Schreck fährt mir durch die Glieder. Ich stehe wie angewurzelt still. Eine etwa 50 cm lange Schlange schleicht unmittelbar vor meinen Füssen vorbei. Wahrscheinlich ist es eine Viper. Einen Schritt weiter und ich wäre direkt drauf gestanden. Vorsichtig bewege ich mich einen Schritt zurück. Vor Schreck vergesse ich eine Foto zu knipsen. Heute war meine erste Begegnung auf dem Weg mit einer Schlange. An vielen heissen und steinigen Gebieten habe ich immer aufgepasst. Aber heute, bei diesem feuchten und kühlen Wetter habe ich wirklich keine Schlange erwartet. Inzwischen regnet es nicht mehr und wir können von hier oben die Aussicht geniessen. Nun wandern wir weiter bis Fonfria, ein richtiges Bauernkaff mit entsprechend schmutzigen und matschigen Wegen. Nach einem Trinkhalt führt der Weg lange bergab. Wir überholen zwei Mädchen und ein Junge aus Uruguay. Die drei sind unterwegs von Ponferrada bis Santiago. Bei heftigem und lästigen Gegenwind wandern wir weiter bergab bis nach Triacastela. Hier hat es mehrere Herbergen. Wir wählen die erste mit den Flügeltüren links auf der Wiese beim Dorfeingang. Diese Herberge ist wie in Galizien üblich gratis, das heisst man kann Spenden so viel man will. Sie wird vom Dorfpfarrer betreut. Er wirbt auch für die Pilgermesse von heute Abend. Inzwischen sind auch die jungen Urus eingetroffen. Ewald und ich beschliessen vor dem Nachtessen den Gottesdienst zu besuchen. Mit dem lässigen Pfarrer besammeln sich etwa zehn Pilger um den Altar. Die Atmosphäre ist locker und wir erzählen uns gegenseitig woher wir kommen und warum wir hier sind. Auch Joe treffen wir wieder. Er ist etwa 65 Jahre alt, in Madeira geboren und lebt seit 43 Jahren auf der Insel Bermudas. Wir nennen ihn einfach Bermudas Joe. Er ist bereits zum dritten Mal auf dem Jakobsweg. Zweimal startete er in St. Jean Pied de Port, dieses Jahr beim Somportpass und jedes Mal bis Santiago. Zu dritt gehen wir in ein feines Restaurant. Das Nachtessen mit einem Galizischen Wein schmeckt hervorragend. Weil Joe in einer anderen Herberge übernachtet, verabreden wir uns für morgen Abend in Fereiros.