Etappen

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33. 08.09.2005
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75. Triacastela - Ferreiros

Ewald und Bermuda Joe Donnerstag, 20. Oktober 2005

33 km / 6.5 h
Triacastela – Calvor – Sarria – Barbadelo - Ferreiros
Um acht Uhr verlassen Ewald und ich die Herberge mit den Flügeltüren und gehen Zmorge essen in der nahe gelegenen Bar. Nach dem spanischen Frühstück schlenderten wir das Dorf hinunter und wählten an der Weggabelung den Weg rechts über San Xil. Dieser als Hauptweg bezeichnete Weg sei schöner und etwas kürzer als der Weg über Samos. Er geht dafür etwas mehr über die Hügel. Wir wollen einmal sehen, wo wir Bermuda Joe einholen. Er startet am Morgen immer viel früher, dann wenn es noch stockdunkel ist. Weil er wegen seines Asthmas nicht so schnell ist, überholen wir ihn regelmässig so zwischen zehn und elf Uhr. Er wandert aber immer gleich weit wie wir, trifft in der Herberge jedoch etwa zwei Stunden nach uns ein. Am Abend gehen wir dann immer zu dritt Nachtessen. Nun noch ein paar Worte zu meinem seit einigen Etappen schon treuen Weggefährten Ewald. Er ist etwa zehn Jahre jünger als ich, arbeitet in Regensburg als Busfahrer und ist ein aufgestellter Kumpel. Ewald startete den Jakobsweg in Logroño und wollte ursprünglich in dreieinhalb Wochen bis Léon pilgern. Da er aber unerwartet schnell vorwärts kam, kann er in dieser Zeit locker bis Santiago de Compostela weiter. Zusammen sind wir nun ein gutes Team, spornen uns gegenseitig an und kommen gut vorwärts.
Der Weg führt nach Triacastela rechts in ein Tal, dann hoch über San Xil, auf gleicher Höhe bis Montán. Plötzlich sehen wir einen blauen Poncho vor uns. Es ist Bermuda Joe. Nach einem kurzen Gespräch marschieren wir vor ihm weiter durch die typische, grüne galizische Landschaft. Der Himmel ist wie fast täglich hier bedeckt und der Regen droht permanent. Nach etwa vier Stunden erreichen wir den Bekannten Ort Sarria. Kurz vorher mündet die Variante über Samos wieder zu in unseren Weg ein. Bevor wir zum historischen Zentrum von Sarria hochsteigen, essen wir in einer Bar ein Sandwich mit dem feinen iberischen Schinken und trinken Wasser. Weil unsere Etappe noch weit geht, wandern wir ziemlich zügig zum Zentrum hoch und hinten beim Kloster wieder steil die Strasse hinunter. Nun folgt ein wunderschönes Wegstück über schöne Pfade und ehemalige Römerwege, hügelig, auf und ab, mit Wiesen und Waldpartien, zum Teil etwas wild. Dicke, sehr alte Bäume, die schon von Tausenden von Pilgern bestaunt wurden, säumen den Weg. Wir wandern durch malerische, typisch galizische Dörfer mit alten steinigen Kapellen und kleine Kirchen, mit Friedhöfen wie Schubladen in einer Mauer. Bei den zahlreichen Bauernhöfen ist der Weg oft matschig, und viele Tümpel zeugen von häufigen Niederschlägen. Jeder Bauernhof hat teilweise mehrere Getreidespeicher. Das sind aus Backstein und Holz gebaute kleine, längliche Häuschen auf Stelzen und mit einem Giebeldach. Auf den letzten zehn Kilometern setzt ein leichter Nieselregen ein. Kurz vor unserem Etappenort Ferreiros erreichen wir den Kilometerstein 100 km vor Santiago! Ein super Gefühl, nur noch 100 km, das heisst drei Tage! Was sind schon 100 Kilometer? Ich habe ja schon über 2000 hinter mir!
Die letzten 2 Kilometer bis zur Herberge sind kein Problem mehr. Aber doch etwas müde und vor allem mit nassen Füssen erreiche ich die Unterkunft. Eine Untersuchung des rechten Schuhs versetzt mich in einen Schrecken. Das Leder weist oberhalb der Sohle, dort wo sich der grosse Zeh immer biegt, einen drei Zentimeter grosses Loch auf und die Sohle löst sich langsam ab. Die Stabilität der Sohle ist nicht mehr gegeben, bei jedem Schritt ist es das gleiche Gefühl wie Gehen mit Schwimmflossen. Halten die Schuhe noch bis zum Ziel? Ich hoffe sehr, denn hier kann man wohl nirgends ein paar Neue kaufen. Plötzlich scheinen die 100 Kilometer doch noch weit!
Ferreiros ist ein kleines Bauernkaff, nichts los. Es hat aber viele Pilger hier in der Herberge. Zum Nachtessen gehen gibt es immerhin zwei Restaurants. Das eine unmittelbar neben der Herberge, das andere fast ein Kilometer weiter unten. Weil alle zu müde sind, wählen alle das nahe. Ausser Ewald und Joe, der inzwischen auch eingetroffen ist, ziehen mit mir das andere vor. Dort werden wir sicher mehr Platz und Ruhe, daher wohl auch den besseren Service haben. Durch die Dunkelheit finden wir das Lokal und tatsächlich werden wir vom freundlichen Personal verwöhnt. Nach dem günstigen Nachtessen und dem feinen Wein vereinbaren wir das Zmorge für acht Uhr und spazieren gemütlich zur Herberge hoch.