Etappen

63. 08.10.2005
Burgos - (Ruhetag)
64. 09.10.2005
Burgos - Hontanas
65. 10.10.2005
Hontanas - Frómista

 

PDF File diese Seite
PDF File ganzes Dokument

45. Seviac - Arblade le Haut (Nogaro)

Armagnac in der Gascogne Dienstag, 20. September 2005

38 km / 10 h
Seviac – Eauze – Manciet – Nogaro – Arblade le Haut (Nogaro)
Vor acht Uhr starte ich auf die heutige, sehr lange Etappe. Es ist den ersten Morgen etwas herbstlich, kühl und neblig. Eine Asphaltstrasse bergab führt mich in knapp einer Stunde auf den Weg zurück. Schon bald betrete ich das lange Waldstück auf einem ehemaligen Bahntrasse. Es sind keine Schienen mehr montiert, aber ab und zu ist ein mit Moos befallenes, rostiges Signal am Wegrand. Sogar der Bahnhof Bretagne Armagnac steht noch am Trasseerand. Auf diesem flachen, etwa 12 km langen Stück, mehrheitlich im Wald begegne ich zahlreichen Joggern. Jakobspilger sehe ich hier nur selten. Etwa um halb zwölf Uhr erreiche ich Eauze, die Hauptstadt des Armagnacs! In der Innenstadt, auch auf eine Anhöhe finde ich eigentlich nur Weinhandlungen und Spirituoseläden aber kein Lebensmittelgeschäft. Also betrete ich so eins, um nach einer Epicerie zu fragen.
Woran erkennt man einen Schweizer? Der alte Verkäufer spricht mich sofort in Baslerditsch an und fragt mich, ich sei doch Schweizer, und woher ich komme? Da staunte ich nicht schlecht, nach so langer Zeit und völlig unerwartet wieder einmal Schweizerdeutsch zu hören. Der etwa 70 jährige Verkäufer erzählt mir, er sei Armagnac Bauer, sein Vater sei vor über 80 Jahren aus der Schweiz, aus Basel hierhin ausgewandert. Er selber sei noch nie in der Schweiz gewesen, aber sein Vater hätte mit ihm ausschliesslich Schweizerdeutsch gesprochen. Ich erzähle ihm auch ein wenig über mich und kaufe ihm einen Flachmann mit 2 dl 23 Jährigen Armagnac ab.
Der Armagnac Bauer erklärt mir auch, wo ich ein Lebensmittelgeschäft finde. Nachher wandere ich weiter, denn der heutige Weg ist noch sehr lang. Nach weiteren 4 km Picknickhalt und sofort wieder weiter. Über viele schöne Wege erreiche ich die von der Autorennstrecke geprägte Stadt Nogaro. Die Luft ist zwar besser als ich so dachte, aber man hört die Rennboliden in der ganzen Stadt sehr deutlich. Fast täglich finden hier Testfahrten statt. Ich bin froh, nicht in der Gîte, nahe vom Autodrome zu übernachten. Auf einer Asphaltstrasse verlasse ich Nogaro Richtung Süden. Nach rund zehn Stunden und 38 km erreiche ich die wunderschöne Unterkunft Chambre et Table d’Hôte l’Arbladoise in Arblade-le-Haut. Die lange Etappe hat sich gelohnt, denn hier bin ich in der wohl Besten Unterkunft des ganzen Weges. Besitzer dieses schlossähnlichen Herrschaftshaus in einem wunderschönen, gepflegten kleinen Park ist ein Elsässer Ehepaar. Sie sprechen daher auch gut deutsch. Selbstverständlich habe ich hier ein grosses, sauberes Einzelzimmer. Das reichhaltige Nachtessen mit Apéro, kräftigem Rotwein und Kaffee mit Armagnac erhalte ich mit vier weiteren Gästen und dem Wirtepaar im gediegenen Jagdsäli. Nachdem wir sehr verwöhnt wurden, gehe ich müde aber sehr zufrieden ins Bett.