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53. St. Jean Pied de Port - Roncesvalles

Pilgerrucksäcke vor Albergue Juvenil, Roncesvalles Mittwoch, 28. September 2005

26 km / 6 h
St. Jean Pied de Port – Huntto - Col de Bentarte - Roncesvalles
Es ist noch dunkel draussen, aber alle sind schon in Bewegung. Eine Hektik! Für viele Neue beginnt die strenge und ungewisse erste Etappe über die Pyrenäen. Als Schweizer mit genug Erfahrungen in den Alpen und nach über 1400 km ausgezeichnet trainiert, stehe ich gelassen und gemütlich auf. Nach dem spärlichen Zmorge in der Küche kaufe ich erst einmal Picknick in einem Dorflädeli.
Nun starte ich etwa um 8 Uhr durch den feuchten Nebel die zuerst steil, dann nur noch leicht steigende Asphaltstrasse. Natürlich wähle ich die Route Napoléon über Hunto. Zügig wandere ich bergauf und überhole laufend vor mir gestartete Pilger. Da sieht man alles, Amerikaner mit riesigen Rucksäcken, mit Camping- und Trapperausrüstung, als gingen sie durch ganz Alaska oder Japaner mit kleinen Rucksäcken und je zwei grossen, baumelnden Plastiktüten. Nach etwa drei Stunden überhole ich sogar die Gruppe, die in Hunto gestartet ist. Nach gut 15 km verlässt der Jakobsweg die Asphaltstrasse und führt über einen kleinen Pass hoch. Der Nebel schwindet, stahlblauer Himmel und die Sonnen zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Nun erreiche ich die spanische Grenze und betrete die Provinz Navarra. Ich bin in Spanien! Jetzt heisst es „buen camino“ statt „bonne route“ und „Hola“ statt „Bonjour“. Nach 1200 Höhenmeter Aufstieg, kurz vor dem höchsten Punkt auf etwa 1400 m picknicke ich auf einem Wiesenbord. Nach zehn Minuten setzt sich eine junge Kanadierin neben mich. Sie ist gestern von St. Jean bis Hunto die erste Etappe gewandert. Nach gemeinsamen Mittagessen wandern wir gemeinsam weiter. Ich bin früh dran und habe es nicht sehr eilig. Jetzt erreichen wir den höchsten Punkt Col de Lepoeder 1430 müM und werden mit einer traumhaften Aussicht auf Navarra belohnt. Bei der Abzweigung wähle ich als einzigen links den steilen Waldweg, die Kanadierin und alle anderen Pilger den weiteren Weg über Puerto de Ibañeta. Um 14 Uhr stehe ich plötzlich vor einem grossen Gebäude von Roncesvalles. Ein Hinweisschild zeigt, dass heute, aber erst um 16 Uhr, nur eine Unterkunft geöffnet ist, die Jugendherberge. Mein Rucksack steht nun als erster neben der Eingangstür. Die Wanderschuhe tausche ich gegen die Sandalen und gehe ein Bier trinken. Im oberen der beiden Restaurant reserviere ich mein Nachtessen für die erste Runde um 19 Uhr. Nach und nach treffen weitere Pilger ein. Auch die Kanadierin trifft nun mit ihren drei Kameraden ein. Sie übernachten und essen im unteren Hotel. Um 16 Uhr stehen etwa 40 Rucksäcke vor der Unterkunft, als die Türen sich öffnen. Pünktlich um 19 Uhr erhalten wir Einlass im Restaurant. Das erste spanische Nachtessen, ein Pilgermenü für 7 Euro, auf meinem Trip. Nach einem einfachen Salat bekommen wir einen frittierten Fisch mit Pommes und eine Stängelglacé. Pro Vierer-Tisch ist eine Flasche Wein, Navarra inbegriffen. Bei diesem etwas spärlichen Essen sehne ich mich an die kulinarische Zeit in Frankreich zurück! Auch nach 20 Uhr (!) treffen immer noch übermüdete, ja eher überforderte Pilger ein!