Etappen

77. 22.10.2005
Palas de Rei - Arzua

 

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79. Santiago de Compostela - (Ruhetag)

Kathedrale Santiago Montag, 24. Oktober 2005

0 km / 0 h
Santiago de Compostela (Ruhetag)
Heute ist vorerst einmal Ausschlafen angesagt. Es ist wie ein gewöhnlicher Ruhetag, das meint mein Körper jedenfalls. Meine Gedanken sind etwas wirr, ich weiss gar nicht, was ich denken soll. Es ist fertig, ich bin da, es geht nicht mehr weiter. Ab morgen könnte ich noch drei Tage nach Finisterre pilgern, jedoch das Wetter ist miserabel, nass und kalt. Meine Wanderschuhe sind am Ende. Der Riss über drei Zentimeter lang, die Sohle abgelaufen und dünn. Wenn ich am Donnerstagmorgen mit dem Bus in die Schweiz fahre, bin ich am Freitagnachmittag zu Hause und habe noch das Wochenende mit meiner Familie. Somit beschliesse ich morgen mit dem Bus nach Finisterre zu fahren, einen Eintagesausflug zu unternehmen. Also bin ich nun kein Pilger mehr, sondern ein Tourist.
Etwas nach neun Uhr gehe ich im Restaurant bei meiner Unterkunft Zmorge essen. Nachher spaziere ich gemütlich zur Nahe gelegenen Kathedrale, um zu sehen, ob neue Pilger ankommen, die ich vielleicht kenne. Tatsächlich sind einige bekannte Gesichter unter den Neuankömmlingen. Ich schiesse noch ein paar Fotos und kaufe gut 50 Jakobsmuscheln im Auftrag von meiner Frau. Sie möchte anlässlich meiner runden Geburtstagsfeier damit Tischdekorationen basteln. Vor 12 Uhr treffe ich mich mit Ewald zur Pilgermesse. Auch Bermuda Joe ist anwesend, er ist auch gestern Abend spät in Santiago eingetroffen. Gemeinsam besuchen wir mit vielen anderen Leuten die Pilgermesse um 12 Uhr Mittag. Ich bin gespannt, ob wir den berühmten Weihrauchkessel, der Grösste der Welt, zu sehen bekommen. Das ist nämlich nicht selbstverständlich. Es gibt drei Gründe, damit er eingesetzt wird. Wenn ein hoher Geistlicher zu Gast ist, an einem grossen Feiertag oder, wenn eine Reisegruppe dafür bezahlt! Wir haben heute Glück. Das Schwenken des 80 kg schweren Weihrauchkessel durch etwa 8 weinrot gekleidete Mönche ist ein riesiges Erlebnis, der emotionale Moment für mich! Mit Tränen in den Augen realisiere ich: JETZT BIN ICH DA! Nun werden auch die Pilger offiziell begrüsst, zwar nicht einzeln mit Namen, sondern wie viele aus den einzelnen Nationen.
Nach der Messe erzählen wir vor der Kathedrale gegenseitig über Erlebnisse und Erfahrungen. Nachher gehen Ewald, Joe und ich in unserer Pension Mittagessen. Am Nachmittag schreibe ich gemütlich ein paar Karten, organisiere beim Pilgerbüro die Billette für Finisterre und für die Heimreise mit dem Bus.
Am Abend gehe ich mit Joe und Ewald in die Vinothek zum Apéro und nachher mit vielen Pilgern Nachtessen. Ewald, Joe, Michael aus Dänemark, Karin aus Wien, Dagmar eine Pastorin aus Baden, Monika aus Deutschland und der nervige Sigi, ebenfalls aus Deutschland sind dabei.