Etappen

 

PDF File diese Seite
PDF File ganzes Dokument

27. Le Puy en Velay - Monistrol d'Allier

Weg nach St. Privat d'Allier Freitag, 02. September 2005

28 km / 8 h
Le Puy en Velay – Tallode – Montbonnet - St. Privat d'Allier - Monistrol d'Allier
Kurz nach 6 Uhr stehe ich auf und packe meinen Rucksack. Weil die Gîte am Jakobsweg ausgangs Le Puy liegt und es sowieso erst ab 8 Uhr Zmorge gibt, marschiere ich ohne Gepäck zum Pilgergottesdienst um 7 Uhr in die Kathedrale. Dort starten weit über 100 Pilger nach dem Segen und drängen und stürmen wie am Start eines Marathonlaufes aus der Kirche und die Treppe hinunter. Jeder will der erste sein! Weitaus der grösste Teil sind „neue“ Pilger, die ab hier starten. Man erkennt diese sehr gut: neue, saubere Kleider, weisse Haut und einen viel zu grossen Rucksack!
Ich selber schlendere gemütlich zur Gîte und frühstücke auf dem Gartensitzplatz. Etwa eine Stunde später verabschiede ich mich von Rupert und starte meine Etappe. Der Weg geht ein paar hundert Meter hoch auf ein Plateau ausserhalb der Stadt. Schon bald überhole ich Pilger um Pilger, schliesslich bin ich ja gut trainiert. Das Wetter ist wieder sonnig und drückend heiss, da sind die gratis abgegebenen Getränke (gegen eine kleine Spende) unterwegs sehr willkommen. Am Mittag erreiche ich Montbonnet und setze mich zu ein paar Pilger in eine Gartenwirtschaft. Nach der Mittagsrast wandere ich weiter hoch über Wiesen auf einen Hügel und nachher einen Pfad durch einen Wald Richtung St Privat d’Allier hinunter. Nachdem ich laufend weitere Pilger überholt habe, marschiere ich noch weiter nach Rochegude. Es ist nach wie vor sehr heiss, und ich tauche meinen Kopf und meine Füsse in den kühlen Brunnen. Jetzt beginnt der steile Abstieg nach Monistrol. Etwas oberhalb des ganz an der Allier unten liegenden, alten Dorfteils liegt die schöne Gîte privé La Tsabone. Wir sind hier zu Sechst mit Halbpension und vier jüngere Pilger, die selber kochen. Für uns wird das Essen angeliefert, inklusive 2 Flaschen Rotwein. Weil die Jungen auch gerne ein Glas Wein möchten und für uns 2 Flaschen eh zu wenig sind, habe ich mich bereit erklärt im Dorf noch Wein kaufen zu gehen. Der Dorfladen und die nahe gelegene Bar sind bereits geschlossen. Ich kann doch nicht ohne Wein zurückkehren? Kurz entschlossen klingle ich einfach an der Wohnungstür einer alten Frau. Mit meinem bescheidenen Französisch erkläre ich ihr kurz den Sachverhalt. In ihrer Küche erhalte ich 2 Liter Rotwein für je 2 Euro und verspreche ihr, das Leergut morgen ihr zurück zu bringen. Der Abend war gerettet!